Zu Zeiten von Kaiser Tiberius auf eine öffentliche Toilette zu gehen ist gefährlich. Nicht, weil dort Räuber lauern, die einem das Geld klauen. Vielmehr kann das Geld selbst zum Verhängnis werden. Die Münzen sind wie bei jedem Kaiser mit dessen Porträt geprägt. Und Tiberius (er herrscht von 14 bis 37 n. Chr.) empfindet es als Affront, ein Abbild seiner selbst an diesem schmutzigen Ort zu wissen. Wer sich mit Münzen auf dem Klo erwischen lässt, wird deshalb kurzerhand hingerichtet.
Majestätsbeleidung ist in der Kaiserzeit eines der schlimmsten Verbrechen. Und was als Beleidigung gilt, bestimmt der Kaiser selbst. Da er gleichzeitig der oberste Richter ist, wagt nicht einmal der Senat zu widersprechen, obwohl er nominell die höchste Instanz im Reich ist, ähnlich wie heute der Bundespräsident in Deutschland.