Schon immer war es der Wunsch des Menschen, das Wetter zu beeinflussen – früher durch Regenmacher, heute durch Chemie. Doch je mehr wir über den Regen wissen, desto klarer wird, wie wenig wir wissen.
Mit dem Schlachtruf »Thor! Thor!« auf den Lippen stürmten die Germanen, ihre Streitäxte schwingend, von den Hügeln des Teutoburger Waldes herab und brachten den Legionen des römischen Feldherrn Varus eine vernichtende Niederlage bei. 20 000 der verhassten Besatzer ließen an diesem Morgen des 9. September im Jahr 9 n. Chr. ihr Leben, und Hermann der Cherusker und seine Krieger gingen in die Geschichte ein. Sie konnten sich dafür bei ihrem Regengott Thor bedanken – der hatte ihre Bitte erhört: Er schickte ein schweres Unwetter, begleitet von Blitz, Donner und dem heftigsten Regen, den ein Mensch sich vorstellen kann. Binnen Minuten versanken die Römer mit ihren schweren Rüstungen im Schlamm.
Die Bitte um Regen ist Gegenstand zahlreicher Riten; indigene Völker kennen noch heute Regenmacher und Regentänze. Fast alle Naturreligionen haben ihre Regengötter, ob Quetzalcoatl in Mexiko, der von Azteken, Maya und Tolteken verehrt wurde – oder Thor, der den Germanen half, die Römer zu besiegen.
Göttlichen Beistand braucht man heute nicht mehr zu bemühen, wenn man will, dass es regnet. Chemie genügt. Militär-Wissenschaftler haben bereits Mitte des vergangenen Jahrhunderts Mittel und Wege gefunden, den Regen genau dort niedergehen zu lassen, wo sie ihn brauchten.