Ahnenforschung 6. Archive - Ahnen mit Leben erfüllen
Je weiter Sie in die Familiengeschichte zurückgehen, desto weniger Überliefertes wird sich im Besitz Ihrer Familie befinden und desto blasser wird das Bild Ihrer Ahnen erscheinen. Zum Glück gibt es die gründlich-deutsche Bürokratie schon seit Jahrhunderten, und da kommt (fast) nichts weg. Für den Familienforscher interessante Akten befinden sich in der Hand der Bundesländer, der Kommunen, aber auch in den Archiven von Adelsfamilien.
In erster Linie interessant sind die so genannten Briefprotokolle, auch Notelbücher genannt. Sie verzeichnen notarielle Beurkundungen und sind für viele Gegenden etwa ab 1700 geschlossen überliefert. Hier lassen sich Daten zu Hof- und Geschäftsübergaben finden, Eheverträge und Vormundschaftssachen, Beglaubigungen und Quittungen.
Ab dem 19. Jahrhundert gibt es Kataster, die die Anwesen mit ihren Eigentümern verzeichnen, Hypotheken- und Grundbücher, in denen die finanziellen Belastungen von Häusern und Grundstücken eingetragen sind; Ansässigmachungs- und Verehelichungsakten können Führungszeugnisse, Entlassungsscheine aus dem Militärdienst und Vermögensverhältnisse überliefern; außerdem lagern in den Archiven Gewerbekonzessionen und Vormundschaftsakten sowie Auswanderungspapiere.
Ganz interessant sind auch Baugesuche, die etwa in Bayern ab der Mitte des 19. Jahrhunderts überliefert sind und eventuell noch Pläne enthalten. Ebenso aufschlussreich können Personalakten von Beamten und Angestellten sein. Militärakten, die jahrgangsweise die jungen Männer erfassen, reichen beispielsweise in Bayern bis 1799 zurück.
Aus früherer Zeit liegen noch »Urbare« und »Salbücher« vor, worin die Belehnung mit Grund und Boden und die Rechte eines Grundherrn über seine Bauern festgelegt sind, oder Steuerbücher und Herdstättenverzeichnisse, Zivilprozessakten und Amtsrechnungen von Gerichten ebenso wie Stammrollen von Soldaten im 17. Jahrhundert. Stadtarchive bewahren Rats-protokolle und Bürgerbücher auf, die bis ins Mittelalter reichen können.
TIPP: Die Nachforschungen in den Archiven sind enorm zeitaufwändig. Sie sollten damit erst beginnen, wenn Ihre Ahnentafel relativ weit gediehen ist und Sie genau wissen, wonach Sie suchen. Am besten, Sie rufen vor dem Besuch eines Archivs dort an und lassen sich die Quellenlage schildern.