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Ahnenforschung
Familienforschung fürs Seelenheil

Wer seine Ahnen in ehemalig deutschen und österreichischen Ostgebieten sucht oder für die Familiengeschichtsforschung das Internet nutzen möchte, wird dankbar auf die Einrichtungen einer Glaubensgemeinschaft zurückgreifen, die ihre Hauptanhängerschaft im US-Staat Utah hat: »Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage« oder kurz: die Mormonen.

In jahrzehntelanger Arbeit haben gläubige Mormonen in Kirchenarchiven und Standesämtern die Daten abgeschrieben, die für die Ahnenforschung wichtig sind, auf Mikrofilm erfasst und zuletzt über das Internet zugänglich gemacht. Außerdem setzt diese Glaubensgemeinschaft auch Standards für Computerprogramme zur Ahnenforschung (siehe <>).

Grund für diesen Eifer: Die Mormonen wollen die Namen ihrer bereits verstorbenen Ahnen erforschen, um ihnen nachträglich die Segnungen (Heilige Handlungen) ihrer Kirche angedeihen zu lassen. Das kann die Taufe sein (eine Taufe im Säuglingsalter zählt für Mormonen nicht) oder auch die Siegelung – eine religiös fundamentierte Bindung (die Ehe ist eine solche, aber auch Verwandte können an die Familie gesiegelt werden). Nach dem Glauben der Mormonen können die Verstorbenen im Jenseits allerdings die heiligen Handlungen zurückweisen.
Nicht mormonischen Ahnenforschern stellen die Mormonen ihre Forschungsstellen und Internet-Datenbanken kostenlos zur Verfügung.

Es gibt keine Klagen, dass die Nutzer dabei missioniert worden wären. Die Glaubensgemeinschaft hat von Haus aus ein Interesse daran, dass ihre Einrichtungen genutzt werden: Je mehr Menschen Familienforschung betreiben, je mehr Daten schwer zugänglichen Archiven entrissen und in Computerdatenbanken eingegeben werden, desto leichter finden die Mormonen auch ihre eigenen Ahnen.


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Ausgabe 09/2010