erweiterte Suche
Prämien-Übersicht
P.M. Magazin
P.M. HISTORY
P.M. Fragen & Antworten
P.M. Perspektive
P.M. Biografie
P.M. Logik-Trainer
P.M. Logicals
P.M. Intelligenz-Trainer
P.M. Kreativ-Trainer
P.M. Sudoku
Auto & Verkehr
Rasender Gyro im Porsche: Hybrid mit Schwungrad
von P.M.-Redakteur Wolfgang Stegers

Hybrid einmal anders: kein Akku,
keine Caps, nur ein rotierender Gyro
Bild vergrößern
Die Buspassgier an der Bushaltistell waren es gewohnt. Obwohl das Iii- und Ustiegä beendet und die Türen verschlossen sind, wartete der Chauffeure mit dem Losfahren noch einige Sekunden. 40 Sekunden dauerte es, bis das tonnenschwere Schwungrad wieder auf Touren gebracht ist. Hier, am Südende des Neuchachateller Sees, setzten die lokalen Verkehrsbetriebe vor 50 Jahren jene Technik ein, die heute im Porsche GT3 R für Furore sorgen soll. Gyrobusse hießen die vom Schweizer Traditionsunternehmen gefertigten 19 Fahrzeuge mit dem Elektroantrieb. Denn die notwendige Energie zum Fahren lieferte eine im Vakuum bei 900 km/h rotierende Scheibe. der Schwung wurde an einen Elektromotor gelenkt und der trieb den Bus an.

Jetzt, beim Bremsen vor der Kurve,
kommt das Schwungrad auf Touren
Es muss wohl kein „Heureka-Erlebnis“ in der sauberen Antriebstechnik gewesen sein, denn nach Zwischenstationen in Gent landeten die Busse in Kongos Hauptstadt. Später verliert sich ihre Spur. Gyro-Fahrzeuge, der Name rührt aus dem Griechischen und meint laut Wikipedia rotierende Scheibe, Kreisel, leiden unter zu hohem Gewicht, lausiger Fahrzeugstabilität bei wechselnden Kurvenfahrten und kurzer Reichweite. 50 Jahre lang wurden diese Urteile immer wieder bestätigt, auch wenn in einem MAN-Erprobungsfahrzeug ein solcher Energiespeicher in den 80er Jahren eingebaut und mit neuen, leichten Materialien und höheren Umdrehungsgeschwindigkeiten experimentiert wurde. Am Ende hatte sich die Formel 1 dieses Themas angenommen, aber nach nur einer Saison ging KERS nicht mehr an den Start.

Als roter Fleck noch wahrnehmbar:
Die Schwungradbox am Beifahrersitz
Jetzt probiert es Porsche. Dabei ist aber nicht daran gedacht, den GT 3 R rein elektrisch fahren zu lassen, der Elektroantrieb soll vielmehr für einen kurzen Augenblick zusätzlichen Schub geben. Dann wirken je 81 PS auf die Vorderräder. Aus dem Hecktriebler wird für knapp 8 Sekunden ein Allradfahrzeug, mit dem vielleicht entscheidenden Plus an Überholreserve, so wie es bisweilen bei den Formel-1-Rennen der vorletzten Saison zu sehen war.

Fertig für seinen ersten Renneinsatz:
Der Porsche GT3 mit Schwungrad
Die beiden je 60 kW starken Elektromotoren wirken umgekehrt gleichzeitig auch beim Bremsen, um das Schwungrad wieder anzutreiben. Bis auf 40 000 Umdrehungen kann es beschleunigt werden. Und wie der Dynamo am Fahrradreifen sich andockt und Strom erzeugt, so treiben die Elektromotoren die Vorderräder an. Der Energiespeicher des 480 PS starken Rennwagens ist auf der Beifahrerseite angeordnet, ein Platz, der in Rennwagen sowieso nicht genutzt wird. Mit dem Schwungradspeicher können die Porsche-Ingenieure vor allem auf die schweren Akkumulatoren verzichten. Nicht elektrische sondern kinetische Energie wird gespeichert und kann blitzschnell abgerufen werden. Der 911 GT3 R Hybrid wird nach seiner Premiere in Genf auf dem Nürburgring bei Langstreckenrennen erprobt werden. Als Höhepunkt dieser Erprobung soll er beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings am 15./16. Mai starten. Ein Sieg des 911 GT3 R Hybrid steht dabei aber nicht im Vordergrund. Vielmehr soll er als Technologieträger und so genanntes Rennlabor Erkenntnisse für die spätere Anwendung der Hybridtechnik in Straßensportwagen liefern.

PS.: Und wenn dann die zigtausend Zuschauer im Mai den GT3 Hybrid an der 22 Kilometer langen Strecke geparkt sehen sollten, wird er wohl kaum zum Elektrotanken angehalten haben.

17.02.2010
Sie haben noch eine Frage zum Thema? Jetzt bei P.M. BesserWissen stellen.
Senden Sie diesen Artikel an einen Freund oder Bekannten.
Weitere Auto & Verkehr-News:
Audi startet Wankel-Elektroauto: A1 e-tron Test in München
Aktives Fahrwerk, neue Motoren: Mercedes S-Klasse mit Magic Body Control
Spaß mit Downsizing: Fiat 500 Cinquecento nun als Zweizylinder
P.M.-Workshop: Wissen erleben und Hybrid erfahren
Jaguar XJ: Von der Modernität getrieben, den Markenwerten verpflichtet
Smarte Trips: So funktioniert das Ausleihen (Neue Mobilität III)
Mobilität á la carte: Die Lust, ein Auto fahren ohne es besitzen zu müssen (Teil I)
Peugeot offeriert in Berlin Mobilität „Mü“: Fahren mit Punkten (Teil II)
Alpha Männchen unter den Gölfen: Der VW Golf R
Mercedes SLS GT3: Jetzt geht’s zum VLN-Lauf auf den Nürburgring
Toyota Celica: Vom Möchtegern Sportwagen zum raren Kultauto
Volvos Sicherheitsvorstoß: Automatische Vollbremsung
Elektroauto Nissan Leaf: starke Nachfrage
Der Countryman im Rallyetrimm: Mini im Rennfieber
Der neue GT2 RS: Porsches schnellster 200km/h-Sprinter für die Straße (II)
Porsche GT 2 RS: Der 620 PS starke Leichtathlet (I)
Skoda Fabia RS: Der potente Mini-Sportler
Land Rover Freelander: Grenzenlose Freiheit- ein Fahrzeug für alle Fälle
Der neue VW-Sharan: Ein Familien-Van wird aufgemöbelt
Toyota Auris Hybrid: Einladung zur Testfahrt und P.M.-Workshop
Kommentare:
Kommentar hinzufügen

Die neuen Kalender von P.M. sind da!
Wie funktioniert Sightjogging?
Was ist das »Weltrechtsprinzip«?
Konnten Kanonenkugeln explodieren?
Wann ist Sex wirklich Sex?
Der Boxer-Vogel
Bus rollt über Stau hinweg
Unkaputtbare Sehnen aus Seide
Die vernebelte Mona
Karies – weggeätzt und versiegelt