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Deine Ahnen? – Frage deine Gene!

Wollten Ahnenforscher bisher etwas herausfinden, mussten sie staubige Bibliotheken durchforsten und mühselig Bruchstücke von Erzählungen kombinieren. Mit Hilfe dieser Dokumente sowie Zeitzeugen konnten sie die eine Familienhistorie maximal 400 Jahre lang zurückdrehen. Das Einspannen neuester Hightech-Methoden verlängert den Zeithorizont gewaltig. Mit den modernen Mitteln der Biotechnologie soll es jetzt für jeden möglich sein, bis zu 10.000 Jahre zurück in die eigene Vergangenheit zu blicken.

Verschiedene Firmen analysieren das persönliche Erbgut. Einige bieten sogar an, neben der Herkunft auch noch die Verwandtschaft auf Berühmtheiten zu überprüfen. Oder sie untersuchen, wo auf der Erde die meisten Verwandten leben. Interessierte können bei den Biotech-Unternehmen ein so genanntes Test-Kit bestellen zum Preis von 60 bis 80 Euro. Es enthält Wattestäbchen, mit denen man das Innere seiner Wange abstreicht, so wie bei einer kriminologischen Speichelprobe. Dabei bleiben Zellen der Mundschleimhaut in der Watte hängen. Gut verpackt wird das Material ins Labor geschickt. Dort werden die Zellen isoliert und aus ihnen die DNA, das Erbgut des Einsenders extrahiert.

Möchte man seine Herkunft lieber väterlicher- oder mütterlicherseits verfolgen? Welcher Ahnenlinie man nachgehen will, muss bei der Bestellung angegeben werden. Soll die väterliche Seite erforscht werden, wird das Y-Chromosom unter die Lupe genommen. Dieser Teil des Erbguts ist dafür verantwortlich, dass sich aus der befruchteten Eizelle ein Junge entwickelt. Die Vererbung des Y-Chromosoms findet nur in der männlichen Linie statt. Mütterlicherseits wird die DNA der Mitochondrien, der Energieproduzenten der Zelle, untersucht. Die Spermien bringen bei der Befruchtung der Eizelle keine Mitochondrien mit, so dass die Mitochondrien der Kinder ausschließlich von der Mutter stammen. Sie markieren die mütterliche Abstammungslinie.

Über die Generationen hinweg kommt es gelegentlich zu kleinen Kopier- oder Verarbeitungsfehlern in der DNA, so genannten Mutationen. Will nun ein Mann wissen, wie nahe verwandt er mit einem anderen Mann ist, werden die beiden Y-Chromosome auf Mutationen hin untersucht. Dabei gilt: je ähnlicher das Erbgut, desto enger die Verwandtschaft. Hat sich die Verwandtschaftslinie schon vor vielen Generationen getrennt, sind im Laufe der Zeit viele unterschiedliche Mutationen auf dem Y-Chromosom entstanden. Liegt der letzte gemeinsame Vorfahre noch nicht so lange zurück, ist auch das Erbgut sehr ähnlich. Genauso wird für die mütterliche Linie mit der DNA der Mitochondrien verfahren.

In der europäischen Bevölkerung kann man bis heute sieben bis zwölf Gruppen unterscheiden, die nacheinander in verschiedene Teile Europas einwanderten. Wer seine Proben analysieren lässt, kann einer dieser Gruppen und deren ursprünglichem Siedlungsgebiet – beispielsweise Skandinavien oder Portugal – zugeordnet werden. Wie viel man darüber hinaus über sich und seine Verwandtschaft erfährt, ist stark davon abhängig, wie viele Menschen bereits am Projekt teilgenommen haben, mit denen man entfernt verwandt ist.

Diese Tests ermöglichen also nur einen unscharfen Blick in unsere Ursprünge. Für die jüngere Vergangenheit und deren spannende Details müssen wir auch weiterhin Bücher wälzen und "den Alten" zuhören.

Foto: Das winzige Y-Chromosom macht den Mann zum Mann. Frauen haben stattdessen zwei X-Chromosome. (Nature)

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Hyperlinks zu diesem Thema:

Internationales DNA-Ahnenprojekt
Deutsches Portal für allgemeine und genetische Ahnenforschung
Größtes amerikanisches DNA-Ahnen-Portal




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