In diesem Sommer blickt die ganze Welt gespannt nach Südafrika. Am 11. Juni wird die Fußball-Weltmeisterschaft in Johannesburg angepfiffen. Pünktlich zum WM-Auftakt sollen die Stadien fertig sein – ein ganz besonderer Bau steht schon jetzt: Schweizer Konstrukteure errichteten in Kapstadt einen bewohnbaren Bungalow aus Papier (Foto: Profact).
Das Projekt soll mehr Menschen in den Entwicklungsländern den Traum vom eigenen Zuhause erfüllen. Oft fehlt das Geld für Steine oder Dachziegel.
Entwickelt hat den Haustyp der Architekt Dirk Donath von der Bauhaus-Universität in Weimar. Unter großer Hitze wird das Papier für die Wände in eine Wabenform gepresst. Die Innenräume der Waben bleiben hohl. Das hat mehrere Vorteile. Die Wabenbauform ist sehr stabil und ermöglicht einen sparsamen Umgang mit Baumaterial. Zudem schützt die eingeschlossene Luft vor Hitze und Kälte. “Für den Papierbau brauchen wir gerade mal das Holz eines kleinen Bäumchens,“ erklärt der Kieler Ingenieur Gerd Niemöller, der an der Entwicklung beteiligt war.
Damit das Gebäude nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, wird das Papier in Harz getränkt und mit widerstandsfähigen Folien abgedeckt. “Es ist ausgesprochen formstabil, dabei unempfindlich gegen Witterungseinflüsse, langlebig und äußerst preiswert,“ erläutert Martin Schröter von der Schweizer Consido AG, die das Modell in Kapstadt gebaut hat.
Ingenieur Niemöller hofft, dass das Haus bald in vielen Elendsvierteln steht: “Viele Millionen Menschen leben ohne feste Behausung, vielleicht können wir wenigstens einigen von ihnen ein lebenswertes Heim bieten.“ Auch den Einsatz in Katastrophengebieten kann er sich vorstellen. Die Häuser lassen sich in wenigen Stunden aufbauen.
Trotz der einfachen Materialien bleibt ein Zuhause aus Papier für viele Slumbewohner unerschwinglich: Ein 34 Quadratmeter großes Haus kostet rund 4000 Euro. Zu viel für die meisten. Die Consido AG spricht deswegen mit Hilfsorganisationen und Regierungsvertretern über Finanzierungsmöglichkeiten. Das Papierhaus wäre bestimmt auch für viele Europäer attraktiv. Auf den nächsten Ikea-Katalog darf man gespannt sein.